Wer oder was “nervt” und wie reagieren wir mimisch?

“Nerven” oder “genervt” sein sind Begriffe mit einem weiten Bedeutungsfeld und existieren in dieser Form nicht in der Emotionspsychologie. Es bedarf also einer Klärungen der zugrunde liegenden Bewertungsstruktur.

Was “nervt” also?

Zentral ist das beharrliche Wiederholen eines Verhaltens, eines Anliegens (oder mehrerer), das den Zielen des Genervten widerspricht. Das kann von einem Genervtsein mit einem Lächeln und der ansonsten positiven Wertschätzung des Nervenden  bis zum Ärger über eine ungeliebte Person reichen.

Der Unterschied zum Ärger

Der Unterschied zum Ärger besteht darin, dass man dem Nervenden keine nachdrückliche Intention unterstellt, sondern das Verhalten als unvermeidlichen Teil seiner Person ansieht. Die Person ist halt so und kann nicht anders.  Bei positiver Wertschätzung kann man das Verhalten als liebgewonnenen Tick verstehen. In anderen Fällen als lästige Störung.  Werden jedoch wesentliche Ziele der Zielperson nachhaltig gefährdet, kann es auch zu offenem Ärger kommen.

In welche Emotionsfamilie fällt das “Genervtsein”

Die oben angedeuteten kognitiven Bewertungsprozesse passen zu der Emotionsfamilie der Verachtung (als Extrempol dieser Gruppe von Emotionen).

Auch deshalb, weil in dem “nervenden” Verhalten eine Abweichung vom als ideal oder wenigstens als normal erachteten Verhalten gesehen wird. Diese Bewertungsstruktur passt ebenfalls zur Verachtung (Diskrepanz Real- und Idealbild).

Soziales Signal des “Genervtsein”

Der sozale Appell an den Nervenden oder Dritte besteht so auch darin, diese Ideal- oder Normvorstellungen zu teilen und sein Verhalten entsprechend anzupassen.

Mimischer Ausdruck des Genervten

Die zugehörigen Mimiken sind vielfältig und beinhalten oft auch Kopf- und Augenbewegungen. Z.B. das Rollen der Augen oder auch eine ähnliche rollende Bewegung des Kopfes. Die Mimik ist in ein einseitiges Anheben oder Einziehen der Mundwinkel (AU12 oder AU14  oder beides) oder ein einseitiges Anheben der Oberlippe (AU10). Das Heben der Augenbrauen auf beiden Seiten oder typischerweise auf einer Seite zusammen mit den beschrieben Augen- und Kopfbewegungen sind ebenfalls häufig zu beobachten.

 

 

 

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